Berufliche Veranlassung eines Umzugs

Ein Umzug ist auch dann beruflich veranlasst, wenn die durch ihn gewonnene Zeitersparnis für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte weniger als eine Stunde beträgt, er aber zu einer entsprechenden wesentlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen führt.

Dies ist der Fall, wenn der Steuerpflichtige durch den Umzug nicht mehr auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel angewiesen ist, er die Arbeitsstätte nunmehr in weniger als fünf Minuten zu Fuß erreicht und daher mitgeführte Arbeitsmittel bequemer transportieren kann und er für den Arbeitgeber flexibler in die Arbeitsabläufe einzubeziehen ist. Dies entschied das FG Köln in einer aktuellen Entscheidung.

Die Steuerpflichtige war als Lehrerin in einem städtischen Berufskolleg beschäftigt. Sie wohnte mit ihrem Ehemann und den beiden gemeinsamen Kleinkindern zunächst in einer Wohnung zur Miete. Den Weg zum Berufskolleg legte die Steuerpflichtige mit der U-Bahn zurück, die dafür laut Fahrplan acht Minuten benötigte und im Zehn-Minuten-Takt verkehrte. Die jeweiligen Fußwege zu den Haltestellen waren zusammen rund 0,9 km lang.

Später erwarben die Eheleute eine Eigentumswohnung und zogen in diese um. Von dort konnte die Lehrerin das Berufskolleg in weniger als fünf Minuten zu Fuß erreichen. Sie musste hierzu lediglich eine Straße überqueren und konnte anschließend das Berufskolleg durch eine Tür im rückwärtigen Teil des Gebäudes betreten.

Obwohl sich dadurch der Weg der Lehrerin zu ihrer Arbeitsstätte nicht um mindestens eine Stunde verkürzte, sah das Finanzgericht eine berufliche Veranlassung des Umzugs als gegeben an. Dabei argumentierte das FG auch mit der allgemeinen Unpünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel: Wer in einer Großstadt keine Verkehrsmittel benutzen muss, für den entfällt ein wesentlicher Stressfaktor, der von der Notwendigkeit des pünktlichen Erscheinens ausgeht.