Neues zum Arbeitszimmer

Ein neues Puzzleteilchen zum Dauerbrenner „Arbeitszimmer“ hat der BFH mit seinem heute veröffentlichten Urteil vom 11. November 2014, Az. VIII R 3/12 hinzugefügt.

Geklagt hatte ein Pensionär, der sich im Keller seines Einfamilienhauses ein Arbeitszimmer für eine Tätigkeit als Gutachter einrichtete. Er begehrte den Abzug der insgesamt angefallenen Aufwendungen auf das Arbeitszimmer, die er nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche des Hauses ermittelte. Das Finanzamt erkannte zwar das Arbeitszimmer als solches grundsätzlich an, sah es aber nicht als Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung des Pensionärs an. Denn da der Pensionär keine Vollzeitbeschäftigung (mehr) ausübe seien alle einkünfterelevanten Tätigkeiten zur Bestimmung des Mittelpunkts der Haupttätigkeit mit einzubeziehen. Da die Ruhestandsbezüge des Klägers die Einnahmen aus der Gutachtertätigkeit bei weitem überstiegen, sei die Gutachtertätigkeit nur als Nebentätigkeit einzuordnen.

Dieser Argumentation folgte der BFH nicht. Bei der Ermittlung des Mittelpunkts der beruflichen Tätigkeit seien vielmehr nur solche Einkünfte zu berücksichtigen, die grundsätzlich ein Tätigwerden des Steuerpflichtigen im Veranlagungszeitraum erfordern. Dieses sei jedoch bei „passiven“ Einkünften wie den Versorgungsbezügen eines Pensionärs nicht der Fall. Da das Arbeitszimmer nach diesen Grundsätzen den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit des Klägers bildete, seien die gesamten auf das Arbeitszimmer entfallenden Aufwendungen abzugsfähig.

Eine weitere für Steuerpflichtige positive Nachricht dürfte die nach Maßgabe des Urteils anzustellende Berechnung der anteiligen Aufwendungen auf ein Arbeitszimmer im eigenen Wohnhaus sein. Denn die Vorinstanz des FG Niedersachsen, wollte in die Berechnung des Arbeitszimmeranteils auch noch die gesamte Kellerfläche des Wohnhauses einbeziehen. Dem widersprach der BFH. Das Arbeitszimmer befand sich zwar im Keller des Hauses, war aber nach Beschaffenheit und Funktion (Fenster mit Lichtschächten, an das Heizungssystem des Hauses angeschlossen und mit für Wohnräume üblichen Boden- und Wandbelägen versehen) als Wohnraum zu qualifizieren. In diesen Fällen sei das Aufteilungsverhältnis der Aufwendungen nach den reinen Wohnflächen des Hauses vorzunehmen. Keller und andere Nebenräume seien hierbei somit nicht zur Bestimmung des Anteils der auf das Arbeitszimmer entfallenden Kosten einzubeziehen.

Mit dieser Entscheidung dürfte sich für viele noch zum Teil beruflich tätige Pensionäre und Rentenbezieher die Möglichkeit der unbegrenzten Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für ein Arbeitszimmers ergeben, soweit ein dahingehend genutzter Raum dem Grunde nach dem Typus eines steuerlich anzuerkennenden Arbeitszimmers entspricht.