Job-Ticket für Arbeitnehmer

Stellt der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern Job-Tickets verbilligt oder unentgeltlich zur Verfügung, liegt grundsätzlich ein geldwerter Vorteil (Sachbezug) vor. Ein geldwerter Vorteil ist nicht anzunehmen, wenn der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern ein Job-Ticket zu dem mit dem Verkehrsträger vereinbarten Preis überlässt. Ein Sachbezug liegt jedoch vor, soweit der Arbeitnehmer das Job-Ticket darüber hinaus verbilligt oder unentgeltlich vom Arbeitgeber erhält.

Beispiel
Der Verkehrsverbund bietet ein Jahres-Abo im gesamten Verbundraum für einen monatlichen Betrag von 95 € an. Dieser Preis reduziert sich bei Zuzahlung des Arbeitgebers von 30 % der monatlichen Beträge im Rahmen eines sogenannten Job-Tickets um 10%.

Üblicher Preis für die Monatsfahrkarte
95,00 €
Rabatt für Job-Ticket Verkehrsverbund
9,50 €
Zuzahlung Arbeitgeber
28,50 €
Verbleibender Zahlbetrag Arbeitnehmer
57,00 €

Der vom Verkehrsverbund eingeräumte Rabatt ist ein üblicher Preisnachlass, welcher im normalen Geschäftsverkehr eingeräumt wird. Dieser Rabatt stellt daher keinen geldwerten Vorteil des Arbeitnehmers dar. Allerdings liegt in der Zuzahlung des Arbeitgebers i.H.v. 30% des regulären Ticketpreises (28,50 €) ein solcher Vorteil vor, auch wenn der Verkehrsverbund die Rabattgewährung von dieser Zuzahlung des Arbeitgebers abhängig macht.

Anwendung der 44-€-Freigrenze
Die Sonderregelung des § 8 Abs. 2 S. 11 EStG sieht vor, dass geldwerte Vorteile eines Arbeitnehmers steuerfrei bleiben, wenn diese Vorteile zum einen mit dem Marktpreis bewertet werden und zum anderen die Grenze von 44,- € nicht übersteigen.

Beachten Sie: Für die Feststellung, ob die Freigrenze i.H.v. 44,- € überschritten wird, sind alle in einem Kalendermonat zufließenden Vorteile zusammenzurechnen. Hierbei bleiben jedoch solche Vorteile von vornherein unberücksichtigt, welche einer pauschalierten Lohnversteuerung unterliegen (siehe hierzu unseren Informationsbrief vom September 2015). Diese verbrauchen die 44-€-Freigrenze also nicht.

Zuflusszeitpunkt des Sachbezug „Job-Ticket”
Für die Versteuerung des geldwerten Vorteils und somit auch der Frage der Anwendung der 44,-€-Freigrenze ist entscheidend, wann der Sachbezug „Job-Ticket” zufließt. Hier war insbesondere fraglich, ob bei einem „Job-Ticket“ im Jahresabo auf die monatlich fälligen Zahlungen abzustellen ist oder auf den Jahreswert der Sachbezüge. Zu dieser Frage hat nun das Bayerische Landesamt für Steuern in einer aktuellen Verfügung Stellung genommen. Hiernach gilt:
Die 44-€-Freigrenze ist bei der monatlichen Überlassung einer Monatsmarke oder einer monatlichen Fahrberechtigung für ein Job-Ticket anwendbar, auch wenn das Job-Ticket für einen längeren Zeitraum gilt. Hiervon sind z.B. umfasst
• Fälle, in denen tatsächlich monatliche Tickets („Monatsmarken“) monatlich ausgehändigt werden, oder
• Tickets, welche an sich für einen längeren Zeitraum gelten, aber jeden Monat „aktiviert/freigeschalten“ werden.
Sehen die Tarif- und Nutzungsbestimmungen für ein Job-Ticket vor, dass die jeweilige monatliche Fahrberechtigung durch die rechtzeitige monatliche Zahlung erworben wird, fließt der geldwerte Vorteil aus dem Sachbezug „Job-Ticket” monatlich - und nicht bei Kauf/Teilnahmeerklärung für den gesamten Gültigkeitszeitraum - zu.

 

Beispiel
Der Arbeitnehmer erhält von seinem Arbeitgeber zum 01.01.2014 unentgeltlich eine Fahrkarte für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für die Strecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte („Job-Ticket“). Die Karte hat den Aufdruck „gültig bis 31.12.2015“. Nach den Tarifbestimmungen des Verkehrsanbieters wird während der Gültigkeitsdauer 01.01.2014 - 31.12.2015 die monatliche Fahrberechtigung durch die rechtzeitige monatliche Zahlung erworben. Nach der zutreffenden Berechnung des Arbeitgebers beträgt der geldwerter Vorteil aus dem Sachbezug „Job-Ticket” monatlich 42 €. Weitere Sachbezüge liegen nicht vor.
Die 44-€-Freigrenze für Sachbezüge ist anwendbar. Da es sich um die monatliche Fahrberechtigung eines Job-Tickets handelt, das für einen längeren Zeitraum gilt, fließt der geldwerte Vorteil aus dem Sachbezug monatlich zu. Da der geldwerte Vorteil von monatlich 42 € die 44-€-Freigrenze nicht übersteigt, ist er nicht zu versteuern.