Tilgung einer Bürgschaftsverpflichtung als Werbungskosten § 19 EStG

 

Leistet ein Arbeitnehmer, der zugleich auch Gesellschafter ist, Ausgaben zur Tilgung einer Bürgschaft, können diese Aufwendungen Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit oder nachträgliche Anschaffungskosten der Beteiligung darstellen. Die steuerliche Auswirkung ist erheblich, da Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit zu 100 % steuerwirksam werden; dagegen wirken sich nachträgliche Anschaffungskosten lediglich im Rahmen des Teileinkünfteverfahrens zu 60 % aus.

Danach können grundsätzlich auch Ausgaben zur Tilgung einer Bürgschaftsverpflichtung Werbungskosten sein. Werden sie als nachträgliche Werbungskosten geltend gemacht, muss bereits die Übernahme der Bürgschaftsverpflichtung beruflich veranlasst gewesen sein. Im Streitfall ging der Arbeitnehmer die Bürgschaft zu einem Zeitpunkt ein, in der Bürge noch nicht Gesellschafter der GmbH war. Die Bürgschaft diente der Sicherung des Arbeitsplatzes und zugleich im Hinblick der künftigen Gesellschafterstellung.

Mit Urteil vom 16.11.2011 – VI R 97/10 ordnete der BFH die Aufwendungen der Einkunftsart zu, zu der sie nach Art und Weise die engere Beziehung haben. Die Übernahme der Verpflichtung erfolgte zu einem Zeitpunkt, bei dem der Arbeitnehmer noch nicht Gesellschafter war. Damit ordnete der BFH die Aufwendungen ausschließlich den Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit zu.