Privater Selbstverbrauch bei nach dem 31.3.2012 in Betrieb genommenen Photovoltaik-Anlagen

 

a) Einkommensteuer
Bei dem Selbstverbrauch des Stroms handelt es sich um einen Gegenstandsentnahme. Die Entnahme ist nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Einkommensteuergesetz (EStG) zu bewerten.
Die Ermittlung des Entnahmewertes des selbst verbrauchten Stroms kann nach folgenden Methoden erfolgen:

Der niedrigste Wert ist als Entnahme anzusetzen. Dies ist der sog. Teilwertgedanke. Denn ein sog. gedachter Erwerber des Betriebs würde nicht den Wiederbeschaffungswert sondern den günstigsten Wert für das Umlaufvermögen bezahlen.

Eine Entnahme muss angesetzt werden, da auch 100 % der Kosten der Anlage als Betriebs-ausgabe geltend gemacht werden.

 

b) Umsatzsteuer - Grundsatz
Die Ausführungen unterstellen, dass die Anlage zu 100 % dem Unternehmensvermögen zugeordnet wurde und dass der Vorsteuerabzug aus der Anschaffung zu 100 % erfolgte.
Der Selbstverbrauch des Stroms stellt umsatzsteuerlich eine Nutzung der Anlage dar und ist nach § 10 Abs. 4 Nr. 1 Umsatz-steuergesetz (UStG) mit den Wiederbeschaffungskosten (Einkaufspreis zuzüglich der Nebenkosten für den Gegenstand oder einen gleichartigen Gegenstand) anzusetzen. Der Ansatz der Kosten ist im Gegensatz zur Einkommensteuer nicht möglich.

c) Umsatzsteuer-Übergangsregelung
Durch das BMF-Schreiben vom 19.9.2014 wurde bezüglich der umsatzsteuerlichen Behandlung des privaten Selbstverbrauchs eine Übergangsregelung bis zum 31.12.2014 eingeräumt.
Danach kann der private Selbstverbrauch bei Entnahmen bis 31.12.2014 wie folgt bewertet werden:

oder

Beachten Sie bitte bei den Selbstkosten, dass dieser Wert bei der Umsatzsteuer erheblich von dem einkommensteuerlichen Wert abweichen kann.

Ab 1.1.2015 muss für Zwecke der Umsatzsteuer aber zwingend der tatsächliche individuelle Strombezugswert (inkl. Grundgebühr) angesetzt werden.

Auf die einkommensteuerliche Bewertung hat das BMF-Schreiben vom 19.9.2014 keinerlei Auswirkung. Hier gelten weiterhin die Ausführungen unter dem Buchstaben a).

d) Problemstellung Zuordnungsentscheidung
Ist bereits im Zeitpunkt der Anschaffung/Herstellung der Photovoltaik-anlage abzusehen, dass der Wiederbeschaffungswert des selbst verbrauchten Stroms des über die gesamte Nutzungsdauer der Photovoltaikanlage kumulierten Einkaufspreises die entsprechenden Selbstkosten übersteigt, muss die Zuordnungsentscheidung eingehend erörtert werden.

Für den Steuerpflichtigen kann es dann sinnvoll sein, die Photovoltaikanlage nicht vollständig, sondern nur anteilig dem Unternehmensvermögen zuzuordnen. Die Zuordnung könnte z.B. nur in Höhe der Lieferungen an Dritte (ohne Selbstverbrauch) erfolgen. Dies vermeidet eine überhöhte Wertabgabenbesteuerung nach § 3 Abs. 1b Satz 1 Nr. 1 UStG.

Zu der schwierigen Thematik „Photovoltaikanlagen“ beraten wir Sie gerne.